Deutscher Gewerkschaftsbund

02.11.2018

DGB Oberbayern diskutiert: Wie wollen wir in Zukunft leben?

Rund 90 Besucher konnte DGB Regionsgeschäftsführer Günter Zellner zum 11. Regionalen Gewerkschaftsabend im Saal der Gaststätte Kampenwand in Bernau am Chiemsee begrüßen. In diesem Jahr stand die zentrale Veranstaltung des DGB Oberbayern unter das Motto „Wem gehört die Zeit?“. Als Hauptredner konnte dazu Prof. Dr. Uto Meier von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt gewonnen werden, der die Anwesenden mit seinem Vortrag zu Zeit und Zeitbewusstsein aus philosophischer und theologischer, ökonomischer und psychologischer Sicht fesselte. Die zentrale Frage lautete: Wie wollen wir in Zukunft leben?

In seinen Begrüßungsworten freute sich Günter Zellner über das große Besucherinteresse an der Frage, wem eigentlich die Zeit gehört. „Wir wollen uns heute grundsätzliche Gedanken über unsere Zeit machen um daraus Überlegungen für eine zukünftige Zeitpolitik in Arbeitswelt und Gesellschaft zu formulieren“, so der oberbayerische DGB Regionsgeschäftsführer. Das ist für ihn auch deshalb dringend notwendig, da die Schutzregeln im Bereich der Arbeitszeit politisch unter Druck geraten.

Universitätsprofessor Dr. Uto Meier näherte sich am Anfang seines Vortrages dem Thema Zeit und Zeitbewusstsein aus einer Historischen Sicht. Seit Jahrtausenden beschäftigt sich die Gesellschaft mit der Zeit. Sie wurde in den Epochen immer wieder unterschiedlich gesehen und interpretiert. In unserer heutigen Gesellschaft teilt man sie gerne in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein. Wobei Professor Meier herleitete, dass die Gegenwart eigentlich nur eine kurze Spanne, die jetzige Sekunde ist. „Wenn das Leben aber ein Augenblick ist, dann müssen wir ständig entscheiden, was wir tun“, so Uto Meier.
Auch die Frage der Zeitmessung spielte in seinem Vortrag eine Rolle. Für ihn ist aber nicht alles im menschlichen Leben messbar. Provokant stellte er die Frage „Ist zum Beispiel die Liebe messbar?“ Natürlich nicht, stellte Prof. Uto Meier fest, denn „wir sind nicht reduzierbar auf physikalische Prozesse“. Auch die gängige Formel in der Arbeitswelt, Leistung ist Arbeit geteilt durch Zeit betrachtete der Eichstätter Professor. Nach der Formel hätten wir die größte Leistung, wenn der Nenner, also die Zeit, null wäre. „Danach hätte das Ende unserer Zeit, der Tod, die größte Leistung“, warf er kritisch in den Raum.
Am Ende seiner Rede stellte Prof. Dr. Uto Meier zwei zentrale Dinge fest. Für ihn „hängt es entscheidend davon ab, welche Ideen wir für die Zukunft haben“. Das müssen wir heute, in der Gegenwart, entscheiden unter Einbeziehung unserer Erfahrungen aus der Vergangenheit. Die zentrale Frage lautete: Wie wollen wir in Zukunft leben?

An den Vortrag schloss sich eine Diskussionsrunde an, die vom DGB Organisationssekretär Christian De Lapuente moderiert wurde. Es diskutierten Bundestagsabgeordnete Dr. Bärbel Kofler, Betriebsrätin Gabriela Rademacher, ÖGB Bildungssekretär Franz Fellner, Student Andreas Schweinsteiger und Rentner Lu Pertl über ihre persönlichen Zeiterfahrungen und ihre Überlegungen zur Zeitgestaltung. Der Abend wurde beschlossen mit einem Kulturprogramm von Winfried Klima. Er nahm unter seinem Programmmotto „voll verappled“ die Anwesenden mit auf eine Reise durch die Tiefen und Untiefen der voll digitalisierten Welt 4.0.

 


Nach oben