Deutscher Gewerkschaftsbund

05.04.2018
Oberbayern

Betriebsräte sichern Mitbestimmung und Demokratie

Diskussion

v.l.n.r.: Peter Mosch, Sonja Auer-Strobl, Christian De Lapuente und Siegfried Griebel DGB Oberbayern

Die Mitbestimmung der Beschäftigten in Betrieben und Verwaltungen war Thema auf einer Diskussionsveranstaltung im Bürgerhaus Ostend in Neuburg a.d. Donau. Unter der Leitung von DGB Organisationssekretär Christian De Lapuente diskutierten die Personalratsvorsitzende des Landratsamtes Sonja Auer-Strobl, der langjährige Betriebsrats-vorsitzende der Milchwerke Neuburg Siegfried Gabriel und der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der AUDI AG Peter Mosch zu den aktuellen Betriebsratswahlen 2018. Für alle Diskutanten stand fest „Betriebsräte sind wichtige Interessenvertreter der Beschäf-tigten und sorgen für Mitbestimmung und Demokratie in den Unternehmen".

Nach der Begrüßung der Anwesenden durch den DGB Kreisverbandsvorsitzenden für Neuburg-Schrobenhausen, Bernhard Dausend führte der Regionsgeschäftsführer des DGB Oberbayern, Günter Zellner in das Thema ein. Untermauert von Studien stelle Zellner fest: „Unternehmen mit Betriebsräten sind innovativer, produktiver und kümmern sich mehr um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf."

Für die Personalratsvorsitzende Sonja Auer-Strobl ist die Digitalisierung und die demografische Ent-wicklung im Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen derzeit eine große Herausforderung. „Wenn die Qualität im öffentlichen Dienst sinkt, dann verschlechtert das auch die Leistungen für die Bürgerinnen und Bürger." Im Landratsamt scheiden in den nächsten Jahren ein Viertel der Beschäftigten aus. „Da gilt es neue Fachkräfte zu gewinnen" so Strobl. Eine neue Arbeitszeitregelung mit Abschaffung der Kernzeit könnte dazu beitragen. Auch die Einrichtung von Mutter-Kind Zimmern im Landratsamt. Beides hat der initiiert Personalrat mit der Leitung des Landratsamtes vereinbart. Ebenso eine Dienstvereinbarung zu Heim und Telearbeit. Sorge bereitet der Personalratsvorsitzenden der zuneh-mende Sparzwang, da wichtige Maßnahmen nicht ausreichend durchgeführt werden.

Siegfried Gabriel hat selbst im Jahr 1987 eine Betriebsratswahl bei den Milchwerken Neuburg initiiert. Seit dem ist das Gremium in der Firma nicht mehr weg zu denken. „Die Belegschaft weiß, wie wichtig die Interessenvertretung des Betriebsrates ist" so Gabriel. Und das gilt gerade für einen 210 Personen Betrieb wie die Milchwerke, der Teil eines Konzernes mit 70.000 Beschäftigten ist. Gerade Arbeitszeitthemen wie Sonderschichten und Arbeiten an Wochenenden beschäftigten die Milchwerke und damit den Betriebsrat in den letzten Jahren. Auch das Thema Arbeitsschutz ist immer ein Thema „und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird immer wichtiger" stellte Siegfried Gabriel fest. Hier gibt es individuelle Regelungen für die einzelnen Beschäftigten.

In der AUDI AG Ingolstadt arbeiten zurzeit 44.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Natürlich sind hier, laut Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Peter Mosch, die Aufgaben des Betriebsrates und deren Erledigung ganz anders strukturiert als in kleineren Betrieben. Interessen und Meinungen der einzelnen Beschäftigtengruppen müssen Zusammengefasst und Ideen gemeinsam an die Unternehmens-leitung gebracht werden. „Dabei geht das Spektrum von dem vorhanden sein von Duschen, über die persönliche Arbeitszeit bis hin zur kollektiven Beschäftigungssicherung" sagte Peter Mosch. Bei 59 gewählten Betriebsräten wird die eigentliche Arbeit aber in einer Vielzahl von Ausschüssen des Betriebsrates gemacht. Ein Beispiel für die Interessenvertretung der Audi-Beschäftigten durch den Betriebsrat ist das Thema Leiharbeit. Hier galt es für die Zeitarbeitnehmer vernünftige Rahmenbedingungen, auch beim Entgelt, zu schaffen. Auch bei der Übernahme von Zeitarbeitern in reguläre Beschäftigung war der Betriebsrat aktiv. Ein besonderes Anliegen ist Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Mosch aber die erst kürzlich abgeschlossene Beschäftigungssicherung. „Wir haben es als Betriebsrat geschafft bis 2025 betriebsbedingte Kündigungen bei AUDI auszuschließen" mit sichtlichem Stolz.

Für alle drei betrieblichen Interessenvertreter ist die Zusammenarbeit mit den zuständigen Gewerkschaften von zentraler Bedeutung. Betriebe mit Betriebsrat und gut organisierten Beschäftigten erreichen mehr. Das Gewicht von Betriebsräten hängt immer vom guten Zusammenspiel mit ihren Gewerkschaften ab. Sie sind eine große Stärkung für die betriebliche Interessenvertretung.


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