Deutscher Gewerkschaftsbund

24.06.2015

Verbessern wir endlich die Pflege!

Arbeitnehmerempfang des DGB Kreis- und Stadtverbandes Rosenheim und des DGB Kreisverbandes Miesbach-Bad Tölz

AN Empfang 2015

DGB

AN Empfang 2015

DGB

Weniger Menschenrechte für Pflegebedürftige? Unter diesem Motto stand der Arbeitnehmerempfang, zu dem der DGB Stadt- und Kreisverband Rosenheim gemeinsam mit dem Kreisverband Miesbach-Bad Tölz eingeladen hat. Rund 50 TeilnehmerInnen konnte die Rosenheimer DGB Vorsitzende Ingrid Meindl-Winkler dazu im Saal des Kirchenwirts in Pang begrüßen. In ihren Eingangsworten sagte Meindl-Winkler "Pflege beschäftigt uns alle ein ganzes Leben lang. Ob privat, als Versicherte oder als Beschäftigte im Pflegesektor". Deshalb engagieren sich auch die Gewerkschaften in diesem Thema. Als Referent für diesen Abend hatte der DGB den Pflegeexperten und Pflegekritiker Claus Fussek eingeladen.  

"Sei lieb zu deinen Kindern, denn sie suchen dir später das Pflegeheim aus", so Claus Fussek, der selbst ein pflegender Angehöriger ist. Laut Fussek diskutieren wir das Thema Pflege schon jahrzehntelang. Und es frustriert ihn, dass er heute noch täglich auf Missstände im Pflegebereich angesprochen wird. Er stellt fest: "In einem der reichsten Länder der Welt entsorgen wir unsere Alten." Schon seit 2002 fordert Claus Fussek, dass alte Menschen in dem Tempo ihre Nahrung erhalten, in dem sie kauen und schlucken können. "Das ist ein Menschenrecht", so der Pflegeexperte. Ursache dafür sind die zu wenig vorhandenen Pflegekräfte in den Einrichtungen. Und Wer denkt sich eigentlich aus, dass man wildfremde Leute zusammen in ein Zimmer legt", fragt er weiter. Pflegebedürftigen Menschen muss täglich die Möglichkeit gegeben werden, an die frische Luft zu kommen. Auch eine Forderung von Fussek, weil es in Deutschland nicht Realität ist. Grausam ist es für ihn, dass man sich über diese Zustände nicht lautstark empört. 

Seine Informationen bezieht der Pflegeexperte überwiegend von Pflegekräften, davon zwei Drittel anonym. Das liegt daran, weil die meisten Pflegekräfte Angst haben vor den Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen. Für Claus Fussek müssten Pflegekräfte und Angehörige aber zusammenhalten. "Dann wäre das eine starke Macht." Er mache Pflegekräfte keine Vorwürfe wenn sie ihre Arbeit nicht schaffen. Er mache ihnen aber Vorwürfe, dass sie über die Situation schweigen. "Warum steht ihr nicht auf, warum macht ihr mit?" fragt der Pflegeexperte. Auf welcher Seite steht ihr Pflegekräfte eigentlich?

Es gibt auch positive Beispiele in der Pflege. Er selbst kenne Pflegeheime, da gibt es keine Magensonde, keinen Fixiergurt, eine geringe Krankheitsquote und wenig Wechsel im Personal. Doch nebenan, in der nächsten Einrichtung, kann es schon wieder völlig änders aussehen.

Wichtig in der Pflege ist eine Wertschätzung aller Beteiligten. Es muss Fort- und Weiterbildung geben für alle Mitarbeiter, auch für die im Bereich der Hausdienste. Eine psychologische Begleitung der Beschäftigten ist wichtig. Fussek: "Es gibt Heime mit einem eigenen Fitnessstudio für alle Beschäftigten". Auch für die Qualität in der Pflegeausbildung muss mehr getan werden. "Wenn man Pflegenotstand hat, dann muss man in gute Ausbildung investieren", sagte der Pflegeexperte. Es kann doch nicht sein, dass Auszubildende mit 22 Jahren schon Burnoutsymptome haben. Für ihn bedeuten zufriedene Mitarbeiter auch zufriedene Pflegebedürftige und deren Angehörige. 

Gemeinden müssen sich vor Ort um die Menschen kümmern. Für Claus Fussek gibt es hier viel Potential. Es wäre für ihn schön, wenn Menschen hier in Rosenheim stolz sagen könnten: Das, was dieser Fussek erzählt, kommt in unseren Heimen in Stadt und Landkreis nicht vor. Gemeinsam könnten es die Menschen schaffen, dass kein Gemeindebürger im Alter alleine, einsam oder ohne Ansprache und Fürsorge zu Hause sitzt. 

Am Ende seines Vortrags stellte Claus Fussek fest: "Verbessern wir die Pflege und wir sparen Geld." Die Folgekosten schlechter Pflege sind doch viel höher. 

In seinen Schlussworten bedankte sich der DGB Kreisverbandsvorsitzende Rudolf Fertl bei Claus Fussek für seinen guten und emotionalen Vortrag. Er forderte für den DGB, dass die Arbeitsbedingungen in der Pflege endlich verbessert und der Pflegeberuf höher bewertet wird. Dazu ist unser gemeinsamer gewerkschaftlicher Einsatz notwendig.


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