Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 43 - 07.11.2017
DGB Oberbayern diskutiert Digitalisierung und Zukunft der Arbeit

Regionaler Gewerkschaftsabend in Trostberg

Der DGB in der Region Oberbayern hat zum zehnten Mal zum Regionalen Gewerk­schaftsabend im Bereich Südostoberbayern eingeladen. Rund 80 Besucher diskutierten im Trostberger Postsaal zum Thema Digitalisierung und Arbeitswelt 4.0. In den letzten Jahren hat sich eine lebhafte Debatte um die Arbeit der Zukunft entsponnen“, so DGB Regionsgeschäftsführer Günter Zellner in seinen Eröffnungsworten. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsgewerkschaften führen diese Debatte offen und offensiv. Im Fokus stehen dabei die Möglichkeiten, Auswirkungen und Gestal­tungsanforderungen, die sich insbesondere durch die Digitalisierung ergeben.

In ihrem Einstiegsreferat stellte Christine Thomas, Ressortleiterin Angestellte und IT des IG Metall Hauptvorstandes, die drei Herausforderungen im Rahmen der Digitalisierung der Arbeitswelt vor. „Zur Zeit beschäftigen sich die Betriebs- und Personalräte vor allem mit den organisatorischen Veränderungen im Digitalisierungsprozess“, stellte die IG Metall Ressortleiterin fest. Hier geht es vor allem um „Backstage“ Prozesse wie zum Beispiel die Veränderungen für die Logistik, den Einkauf und das Personalmanagement. In diesen Bereichen werden mit den derzeitigen gesetzlichen Mitbestimmungsmöglich­keiten Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge abgeschlossen.

Die zweite Herausforderung ist der „Front Stage“ Bereich, also die Kommunikation der Unternehmen mit den Kunden. In diesem Feld befinden sich mit Agiles Arbeiten, Crowd­sourcing, der Gründung von Innovationszentren usw. die neuen Formen der Arbeitsorga­nisation. Hier sagen die Unternehmen laut Christine Thomas: „Das geht nicht mit der derzeitigen Mitbestimmung“. Doch genau das Gegenteil ist richtig. Die Einführung von Pilotphasen, die Bereitstellung ausreichender Ressourcen, das Entgelt, die Arbeitszeit und die Möglichkeiten von Qualifizierung sind unter anderem Punkte, die geregelt werden können. „Das klappt alles ohne Mitbestimmung und Tarifvertrag sowieso nicht“, prophezeit Christine Thomas.

Die größte Herausforderung stellt allerdings die neue Plattformökonomie dar. Wenn nicht mehr nur die Unternehmen mit ihrem Produkt Gewinne erzielen, sondern Plattfor­men wie zum Beispiel Amazon, AirBnB und Uber einen großen Teil mitverdienen, sind neue Mitbestimmungs- und Beteiligungsmöglichkeiten nötig. Für die Gewerkschafterin Thomas stellen sich hier die Fragen, wie „Ist das alles wirtschaftlich, sozial und ökolo­gisch nachhaltig? Sind solche Leistungen sinnvoll?“ Klar ist für sie aber auch: „Diese wirtschaftliche Mitbestimmung geht über die betrieblichen Möglichkeiten weit hinaus.“

Im Anschluss diskutierten unter Leitung von Robert Günthner vom DGB Bezirk Bayern die Betriebsräte Peter Aldozo (Wacker-Chemie) und Anton Reischl (Telekom) sowie die beiden „Jungen Aktiven“ in der IG-Metall Alexander Kühn und Andreas Schweinsteiger die Auswirkungen der Digitalisierung auf ihre Arbeit vor Ort. Viele Belange der Beschäf­tigten werden jetzt schon von den Betriebsräten und Gewerkschaften aufgegriffen und den derzeitigen gesetzlichen Möglichkeiten geregelt. Dabei stellten alle fest, dass es beim Thema Arbeitszeit ein Umdenken gibt. „Selbst außertarifliche Angestellte, die früher so wenig wie möglich geregelt haben wollten, plädieren nun für klare Regelungen bei der Arbeitszeit“, so Betriebsrat Aldozo. Für Anton Reischl ist der Datenschutz und der Umgang mit gesammelten Mitarbeiterdaten ein weiter großer Regelungsbereich. Für alle Podiumsteilnehmer war klar: „Wir brauchen in Zukunft mehr Mitbestimmung der Beschäftigten um weiterhin ‚Gute Arbeit‘ zu gewährleisten.“

Das anschließende kulturelle Programm gestaltete der Musikkabarettist „Da Ebner“. Der mittlerweile über Niederbayerns Grenzen hinaus bekannte Künstler erzählte und sang von all dem, was ihn beschäftigt und bewegt.


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