Deutscher Gewerkschaftsbund

19.01.2018

DGB Empfang in Waldkraiburg

„me first“ muss zu „we first“ werden

Die DGB Kreisverbände Mühldorf und Altötting haben zum gemeinsamen Neujahrsempfang ins Haus der Kultur in Waldkraiburg eingeladen. Hauptredner der Veranstaltung war Prof. Dr. Uto Meier von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der über das Thema „Neue Arbeitswelt ohne Moral“ sprach.

In seinen Begrüßungsworten sagte der DGB Kreisverbandsvorsitzende für den Landkreis Mühldorf, Richard Fischer: „ Auf die Arbeitnehmer kommen in der Zukunft viele Herausforderungen zu“. Die Arbeitswelt wird sich unter anderem durch die fortschreitende Digitalisierung grundlegend ändern. „Der Mensch muss wieder im Mittelpunkt des Arbeitsprozesses stehen“, so Fischer. Leben besteht nicht nur aus Arbeit, sondern auch aus Privatleben und Teilnahme an der Gesellschaft.

Prof. Dr. Uto Meier begann seinen Vortrag mit der Feststellung „eigentlich haben wir in Deutschland eine Zeit mit gesicherten Wohlstand“. Er will aber heute den Blick auf die Schattenseiten unserer Wirtschaft lenken. Provokativ stellte er in den Raum: „In den chinesischen Fabriken, die unsere Unterhosen herstellen, gibt es kein Arbeitsrecht.“ Und „Wäre es eigentlich sinnvoll alle Verkehrszeichen in Deutschland abzuschaffen, da mehr Freiheit auf den Straßen alles besser machen würde?“

Für Uto Meier skizziere die zunehmende Individualisierung, Digitalisierung, Pluralisierung und Globalisierung die neue Arbeitswelt. „Das, was ist, muss aber noch nicht verantwortet sein“, so Meier. Zum Beispiel Globalisierung: Woher kommen unsere Jeans die wir tragen? Die Baumwolle aus Indien, gebleicht in Marokko und genäht in der Türkei. Von einem T-Shirt zum Ladenpreis von 29 Euro bekommt laut Prof. Meier die Arbeiterin in Bangladesch gerade mal einen Cent. 59 Prozent des Preises bleibt als Handelsspanne bei uns in Deutschland. „Ist das ein Naturgesetz?“ fragte er die Anwesenden. Es drängt sich die Gerechtigkeitsfrage regelrecht auf, wobei Globalisierung nicht nur schlecht ist. Die extreme Armut ist nach Uto Meier in der Welt in den letzten Jahren gesunken.

Wirtschaftswachstum hat für den Professor auch eine Schattenseite. Prekäre Jobs haben in den letzten Jahren zugenommen. Obwohl Arbeitslosigkeit bei uns abnimmt, nimmt auf der anderen Seite die Armut zu. Prof. Uto Meier: „Diesen Widerspruch dürfen wir nicht aus dem Fokus verlieren. In den USA hatten im Jahr 1980 die oberen ein Prozent der Bevölkerung rund 10 Prozent des gesamten Einkommens. Im Jahr 2015 hatte sich dieses auf 20 Prozent gesteigert. Im gleichen Zeitraum sank dagegen das Einkommen der Hälfte der US-Bevölkerung.

Für Prof. Dr. Uto Meier werden die Lebensentwürfe der Menschen unterschiedlicher. Die Aufklärung hat uns viel Selbstbestimmung gebracht. Es gibt aber auch Grenzen der Pluralität „Ist jede Distanz von Traditionen schon Freiheit?“ fragte Uto Meier. Als Beispiel nannte er die Auflösung des Sonntags und der Sonntagsruhe. „Was ist für uns der Sinn der Wirtschaft?“ Nach Uto Meier ist „die Wirtschaft für den Menschen da und nicht umgekehrt“. Grundsätzlich haben Menschen nicht nur das Eigene im Sinn. Sie haben auch ein großes Gerechtigkeitsbedürfnis. Sie wollen nicht gegen Menschenrechte verstoßen. Deshalb braucht es ein Nachhaltigkeitsprinzip mit der Vereinbarung von Ökonomie und Ökologie.

Abschließend gab der katholische Universitätsprofessor den Anwesenden mit, was man aus seiner Sicht für die neue Arbeitswelt braucht. Es müsse geklärt werden, was dem freien Spiel der Kräfte überlassen wird und was nicht. Außerdem, welche Bereiche wir aus den ökonomischen Wettbewerb herausnehmen wollen, zum Beispiel die Bildung. Uto Meier: „Der Staat muss für eine Rahmenordnung sorgen und das ‚me first‘ muss sich in ein
‚we first‘ wandeln.“

In ihren Schlussworten bedankte sich Jasmin Geltinger, Kreisverbandsvorsitzende des DGB Altötting, bei Prof. Dr. Uto Meier für sein hochinteressantes Referat. Sie wies auf die Aktionen und Veranstaltungen des DGB im Jahr 2018 hin und wünschte den Anwesenden noch interessante Diskussionen.

 

Fernsehbericht über unseren Neujahrsempfang unter: 

http://mediathek.muehldorf-tv.de/files/fernsehen/fs2018/promonat/MT_BV18M01.html

 

 


Nach oben

Jetzt unterschreiben!

DGB-Rentenkampagne

Unterschriftenaktion

Europäische Bürgerinitiative

08.03.2016
Da­ten­schut­z­er­klä­rung Deut­scher Ge­werk­schafts­bund
Der DGB erhebt auf seinen Internetauftritten Daten über die Nutzung der Webseiten. Diese Datenschutzerklärung informiert, welche Daten wie und zu welchem Zweck gespeichert und genutzt werden.
weiterlesen …

Direkt zu Ihrer Gewerkschaft

DGB-Infoservice einblick

Gegenblende