Deutscher Gewerkschaftsbund

14.09.2017

„Kinder, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, zu was Menschen fähig sind.“

Es war ruhig am Dienstagabend im Kinosaal der VHS in Ingolstadt. Auf die Einladung der DGB Jugend Ingolstadt fand am 12.09.2017 um 17 Uhr, in Zusammenarbeit mit dem Verband deutscher Sinti und Roma, ein Zeitzeugengespräch mit dem Sinto Siegfried Heilig statt, der 1934 in Magdeburg geboren wurde. Begleitet wurde er von Hannes Burkhardt, der an der Universität Erlangen-Nürnberg unterrichtet. 

Herr Heilig erzählte von seinem Leben, das geprägt wurde von Ausgrenzung und Vorurteilen bis hin zum Tode seiner Familie im Konzentrationslager Auschwitz.

Als kleines Kind schlug man ihm in der Schule das Pausenbrot aus der Hand. Der Lehrer nahm ihn beim Klassenausflug nicht mit, weil er sich nicht mit so einem dunklen Jungen in der Öffentlichkeit zeigen wollte. Sätze wie „Zick, zack, Zigeunerpack“ musste er jeden Tag aushalten, obwohl er doch ein ganz normales Kind sein wollte, wie alle anderen auch.

„Sie (die SS) packten kleine unschuldige Kinder an den Füßen und schlugen sie gegen Bäume, um sie umzubringen.“ Diese und andere Sätze stimmten die Gäste sichtlich traurig und regten sie zum Nachdenken an. Interessiert und mit traurigen Blicken lauschten die Zuhörer seinen Erzählungen. 

„Meine beiden Tanten, die das Vernichtungslager Auschwitz überlebt hatten, erzählten meiner Mutter nach dem Krieg, wie die Nazis meine Großmutter aus dem Viehwaggon gezogen haben. Kinder, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie die Leute mit alten Menschen umgegangen sind.“ Heilig selbst überlebte nur, da er sich während der NS-Zeit mit seinen Eltern und Geschwistern in Wäldern, Schweine- und Kuhställen versteckten. „Es war eine einmalige Chance für die Gäste, einem Menschen zuhören zu können, der als Kind ein Deutschland erlebt hat, dass man sich weder vorstellen kann noch vorstellen will“, sagt Maximilian Resch, der Vorsitzende der DGB Jugend Ingolstadt. 

Auch in der Nachkriegszeit war es für Herrn Heilig nicht leicht. Da er ein Sinto war, bekam er keine Wohnung. Die Vorurteile bestehen heute noch. Während er in einer Schule von seiner Kindheit erzählte, fragte ihn ein kleiner Junge sogar, warum „Zigeuner“ blonde Kinder entführen und Wäsche stehlen. Das habe ihm seine Mutter erzählt. 

„Aufgrund der immer hetzerischeren neuen und alten rechten Parteien wollten wir daran erinnern, was bereits vor gut 70 Jahren in unserem Land passiert ist“, so Katarina Koper, DGB-Jugendsekretärin von Oberbayern, „damit den Leuten bewusst wird, wie schnell so etwas passieren kann.“ Auf die Frage hin, was Herr Heilig den überwiegend jungen Leuten auf ihren Lebensweg mitgeben möchte, antwortete er: „Ihr seid das Volk und ihr müsst dafür Sorge tragen, dass so etwas nie wieder passiert“.

Vortrag Jugend IN

Auf dem Bild zu sehen von links nach rechts:
Katarina Koper, Jugendsekretärin DGB Jugend Oberbayern; Maximilian Resch, Vorsitzender DGB Jugend RJA Ingolstadt; Siegfried Heilig, Zeitzeuge; Hannes Burkhardt, Referent des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Bayern; Roberto Paskowski, Verband Deutscher Sinti und Roma Ingolstadt
Angelika Boos


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